Hightech und Bienenstöcke

Das Tabakquartier in Bremen hat sich neu erfunden

07.05.2024

Wie aus einer Industriebrache ein Musterbeispiel städtebaulicher Entwicklung werden kann, dafür liefert das Bremer Unternehmen Justus Grosse gerade eine Blaupause: Das über 20 Hektar große Gelände der ehemalige Brinkmann-Werke, einstmals das größte Tabakwerk Europas und später dem Verfall anheim gegeben, befindet sich in der Endphase einer Metamorphose von der „Schmuddelecke“ zu einem der angesagtesten Viertel der Stadt. Wohnungen, Künstlerateliers, Büros, Gewerbeflächen, Theater, Sportangebote, Kita, Gastronomie und ein Hotel vereinen sich hier zu einem gelungenen Ganzen.

Die Transformation, üblicherweise ein generationsübergreifender Prozess, vollzieht sich hier innerhalb kürzester Zeit. Vom Kauf des Grundstücks 2018 bis zur angekündigten Vollendung des Tabakquartiers in Bremen Woltmershausen noch im Jahr 2025 hat der Projektentwickler gerade mal sieben Jahre eingeplant. Über 1000 Wohneinheiten sollen dann fertiggestellt sein, 200.000 Quadratmeter Gewerbefläche bereit stehen und ein Grüngürtel durch das ganze Gelände Sport- und Freizeitmöglichkeiten bieten.

Ein ambitionierter Ansatz, aber kein optimistischer Traum. Soviel lässt sich knapp zwei Jahre vor dem Zieleinlauf sagen: Die Vision, aus der ehemaligen Tabakfabrik eine Oase mitten in der Stadt zu schaffen, die ein „New York Feeling“ an die Weser holt, ist schon in vielen Teilen zur Realität geworden. Üppige Grünflächen, bepflanzte Dächer, coole Lofts und die unmittelbare Nachbarschaft von Kunst, Kommerz, Sport und Wohnen sorgen für eine bunte Mischung und gegenseitige Inspiration. 

Die gelungene Verbindung denkmalgeschützter Backsteinbauten der Tabakfabrik und ihrer Lager mit moderner Architektur entfaltet einen ganz eigenen Zauber. Die weitgehend autofreien Wege zwischen den Bauten sind belebt und ruhig zugleich. Eigentlich ein Widerspruch, aber dieses Gefühl stellt sich ein und begünstigt Wohnen und Arbeiten gleichermaßen. Abwechslung und Muße - beides ist hier möglich und das schafft ein gutes Klima für die Auseinandersetzung mit der Kunst auf dem Areal. Wie ein Spagat gelingen kann, zeigt auch das Nebeneinander von Hightech und Natur, die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen. Ein kleiner Fingerzeig für die gelungene Symbiose sind die Bienenstöcke bei der Fabrik. Honig aus dem Tabakquartier - ein aussagekräftiges Symbol und mehr als nur eine Petitesse.



Nachhaltigkeit ist eines der erklärten Ziele der Quartier-Entwickler: Fotovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen, modernste Brennwert-Heizungen und eine selbstlernende Gebäudetechnik standen schon im Lastenheft der Macher, bevor die Politik ein Umdenken im Energiebereich forderte. „Ziel sei eine Gold-Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB), kündete das Bremer Unternehmen Justus Grosse im Vorfeld an. Mieter und Käufer profitieren jetzt von günstigen Energiekosten.

Positiv für die Entwicklung wirkt sich auch die Verkehrsanbindung sowie Nähe zum Bremer Zentrum aus: Gerade einmal 1,5 Kilometer sind es bis zum historischen Bremer Marktplatz und in die Innenstadt mit weiteren Einkaufs-, Freizeit- und Kulturangeboten. Das FORUM ist bereits heute durch die Buslinie 63 direkt mit dem Bahnhof Neustadt und dem Hauptbahnhof verbunden. Auch die Linien 24 und N3 befinden sich in unmittelbarer Umgebung des Quartiers. Kurz getaktet sind die Innenstadt (Am Brill) in rund sieben Minuten und der Hauptbahnhof in circa elf Minuten erreichbar. Das Quartier der kurzen Wege – das hat sich Justus Grosse mit seiner Vision für das Tabakquartier als Ziel gesetzt. Denn mit seiner Nähe zur Bremer Innenstadt und der Weser – und seiner einmaligen Lage im Grünen – bietet das Areal den idealen Ort für kreatives, entspanntes Arbeiten sowie auch Wohnen und Leben.

Kein Wunder, dass das Konzept Sogkraft entwickelt hat: Bereits heute sind hier über 300 Betriebe zu Hause, arbeiten im Tabakquartier rund 4000 Menschen in unterschiedlichsten Unternehmen vom Start-up bis zum etablierten Branchenprimus, deren Mitarbeiter zwischen mehreren gastronomischen Angeboten im Quartier wählen können. 


von Klaus Schmidt 

Bildrechte Justus Grosse

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